Internationale Normen & Schweizer Standards
Als Schweizer Fachbetrieb für Raumakustik ist Sicherheit für uns nicht verhandelbar.
Unsere Akustiklösungen stammen vorwiegend aus Skandinavien, einer Region, die weltweit führend in Design und Sicherheitsstandards ist. Daher finden Sie auf unseren Produktdatenblättern meist die europäische Norm (EN).
Und falls Sie sich nun fragen: «Gilt das auch hier?»
Die Antwort ist: Ja. Die Schweizer Vereinigung Kantonaler Feuerversicherungen (VKF) akzeptiert die europäischen Prüfnormen vollumfänglich als Nachweis.
Auf dieser Seite erklären wir Ihnen einfach und transparent, die unterschiede der drei gängigsten Normen und deren Klassifizierungen.
Klassifizierungen EN 13501-1
EN 13501-1 (Europa)
Der moderne, präzise Standard.
Der aktuelle europäische Standard ist äusserst detailliert, da er nicht nur die Frage beantwortet, ob ein Material brennt, sondern auch, wie es brennt. Diese umfassende Bewertung schliesst kritische Aspekte wie die Rauchentwicklung und das brennende Abtropfen des Materials mit ein.
Der Härtetest: Der «SBI-Test» (Single Burning Item)
Für die Klassen A, B, C und D wird der sogenannte SBI-Test durchgeführt.
Das Szenario: Man simuliert einen brennenden Papierkorb in einer Zimmerecke.
Der Aufbau: Zwei Flügel des zu testenden Materials werden im rechten Winkel (wie eine Zimmerecke) aufgebaut. In der unteren Ecke steht ein Gasbrenner, der Flammen gegen das Material bläst.
Was wird gemessen?
Wie viel Hitze gibt das Material ab? (Heizt es den Raum zusätzlich auf?)
Wie schnell breiten sich die Flammen an der Wand nach oben aus?
Wie viel Rauch entsteht? (Gemessen durch Lichtstrahlen im Abzugsrohr).
Fallen brennende Teile herunter?
Das europäische System ist das ehrlichste, weil es die Rauchentwicklung (s1-s3) separat misst. Rauch ist oft tödlicher als Feuer.
Klassifizierungen DIN 4102-1
DIN 4102-1 (Deutschland)
Der bewährte Klassiker.
Obwohl die europäische Norm die Zukunft ist, gilt im deutschen Bestand oft noch die alte DIN-Norm. Sie ist grober, aber sehr praxisnah.
Der Härtetest: Der «Brandschacht»
Um die begehrte Klasse B1 (Schwer entflammbar) zu erhalten, muss das Material durch den Brandschacht-Test.
Das Szenario: Ein Kaminfeuer-Effekt.
Der Aufbau: Vier lange Proben des Materials werden zu einem quadratischen Schacht (wie ein Kamin) zusammengesetzt. Von unten bläst ein ringförmiger Gasbrenner Flammen in diesen Schacht. Gleichzeitig strömt Luft von unten nach, was das Feuer anheizt.
Die Prüfung: Das Material wird 10 Minuten lang beflammt.
Bestanden: Das Material gilt als B1, wenn nach dem Test noch eine gewisse Restlänge des Materials unversehrt ist (es also nicht komplett abgebrannt ist) und die Rauchgastemperatur nicht zu hoch stieg.
Wenn ein Material im Brandschacht «durchfällt», landet es automatisch in der Klasse B2 (Normal entflammbar). Dafür reicht dann ein einfacher Test mit einer kleinen Flamme (ähnlich einem Feuerzeug).
Klassifizierungen ASTM E84
ASTM E84 (USA)
Der Tunnel-Test.
In den USA (und vielen internationalen Projekten) wird nach ASTM E84 geprüft. Das System basiert nicht auf festen «Bestanden/Nicht bestanden»-Grenzen wie in Europa, sondern auf einem Vergleichswert (Index).
Der Härtetest: Der «Steiner Tunnel»
Dieser Test ist völlig anders aufgebaut als die europäischen Verfahren.
Das Szenario: Ein Windkanal mit Feuer.
Der Aufbau: Ein ca. 7,5 Meter langer, waagerechter Tunnel. Das Testmaterial wird an die Decke des Tunnels montiert.
Der Ablauf: An einem Ende wird ein starkes Gasfeuer entzündet, während ein starker Luftzug die Flammen durch den Tunnel bläst.
Was wird gemessen?
FSI (Flame Spread Index): Wie weit wandert die Flamme in einer bestimmten Zeit am Material entlang?
Referenz: Zementfaserplatte = 0 (brennt nicht), Roteiche (Holz) = 100.
SDI (Smoke Developed Index): Am Ende des Tunnels misst eine Fotozelle, wie viel Rauch das Licht verdunkelt.
Da das Material an der Decke hängt (Overhead-Montage), ist dieser Test sehr streng für Materialien, die bei Hitze weich werden und herunterfallen könnten.
Unsicher bei der Planung?
Brandschutz ist komplex und hängt stark vom jeweiligen Einsatzbereich (z.B. Fluchtweg vs. Besprechungsraum) ab. Wenn Sie unsicher sind, ob ein spezifisches Bellton-Produkt für Ihr Bauvorhaben zugelassen ist oder welche Zertifizierung vorhanden ist, helfen wir Ihnen gerne weiter.
Wir unterstützen Sie dabei, das passende Produkt für Ihre brandschutztechnischen Anforderungen zu finden.